Anthropic auf Colossus ist die jüngste Wendung im KI-Compute-Krieg: Das Modell-Lab Anthropic mietet ab sofort GPUs aus Elon Musks Colossus-Rechenzentrum in Memphis. Im Vorsprung Podcast bei Everlast AI ordnen wir mit Andreas Moring, Pero Mitic und Kim Isenberg ein, warum Musk seinen schärfsten Konkurrenten plötzlich beliefert.
Was hinter dem Anthropic Colossus Deal steckt
Die Claude-Modelle laufen ab sofort auf 220.000 Nvidia-GPUs in Memphis. Das 5-Tages-Limit im Pro- und Max-Plan verdoppelt sich, das Weekly-Limit bleibt. Pero Mitic ordnet den Hintergrund ein: Compute ist nicht zufällig der Engpass, sondern strukturell. Anthropic hat seinen Bedarf in 12 Monaten um den Faktor 80 erhöht.
Spannend ist die Vorgeschichte. Im Februar nannte Elon Musk Anthropic auf X noch menschenverachtend. Jetzt vermietet er seinem schärfsten Konkurrenten Inferenz-Kapazität. Kim Isenberg sieht den Grund klar: Grok findet zu wenig Anklang. Die Information meldete vor zwei Wochen eine Nutzung weit unter Durchschnitt. Musk reagiert mit dem klassischen Move. Ungenutzte GPUs werden vermietet, Anthropic zahlt.
Im Hintergrund trainiert xAI bereits sechs neue Grok-Modelle auf Colossus 2. Auch hier zeigt sich der eigentliche Mode: Compute ist die neue Kohle. Wer Rechenleistung skaliert, wird zum Infrastruktur-Anbieter. Was Kohle und Stahl im 19. Jahrhundert und Öl im 20. Jahrhundert waren, ist heute GPU-Kapazität für KI. Eine ähnliche Mechanik beobachten wir aktuell in vielen unserer Beratungsprojekte: Wer Compute kontrolliert, kontrolliert das Tempo.
Apple springt auf den KI-Zug auf
Tim Cook tritt nach 15 Jahren ab. John Ternus, bisheriger Hardware-Chef, übernimmt den CEO-Posten am 1. September. Kim Isenberg sieht darin den dritten Wendepunkt der Apple-Geschichte: Steve Jobs als kreatives Genie, Tim Cook als Lieferketten-Stratege, Ternus als Ingenieurs-Macher.
Parallel kauft Apple sich KI-Kompetenz extern ein. Siri läuft künftig auf einem maßgeschneiderten Gemini-Modell, gehostet auf Google Cloud. Anthropic hatte mehrere Milliarden Dollar pro Jahr verlangt, mit jährlicher Verdoppelung. Das war Apple zu teuer. Geleakt sind AirPods Pro mit Kamera: Siri bekommt Augen. Wer im Maschinenbau, auf der Baustelle oder am Lager Anwendungsfälle für ein KI-Modell mit Sicht plant, sollte jetzt skizzieren.
Mercedes verlässt 40 Prozent seiner SAP-Instanzen
SAP kauft Prior Labs aus Freiburg, ein 18 Monate altes Startup, für mehr als eine Milliarde Euro. Prior baut ein Foundation Model für tabulare Geschäftsdaten und schlägt vierstündige AutoML-Pipelines in 2,8 Sekunden. Gleichzeitig erlässt SAP eine neue API-Policy. Externe KI-Agenten wie Copilot, Open AI und Claude werden ausgesperrt. Nur SAPs eigene Joule und Nvidias Nemo dürfen rein.
Mercedes reagiert sofort und streicht 40 Prozent aller SAP-Instanzen. Pero Mitic urteilt klar: SAP ist in Gefahr. Salesforce geht den umgekehrten Weg und öffnet Agent Force, Salesforce CLI und MCP für alle Agenten. Marc Benioff sagt: User Interfaces werden die neuen APIs. Wer noch glaubt, dass Mitarbeiter in 5 Jahren durch klassische Software-Oberflächen klicken, hat den Markt nicht verstanden.
Humanoide Roboter und das Daten-Bottleneck
Boston Dynamics zeigt den neuen Atlas in voller Bewegung. 56 Freiheitsgrade, 1,90 Meter Höhe, 90 Kilo Masse. Hyundai und Google DeepMind haben alle 2026er Einheiten bereits reserviert. McKinsey sieht das größte Engpass-Risiko nicht in der KI, sondern in der Lieferkette. Aktuatoren machen 40 bis 60 Prozent der Materialkosten aus. China kontrolliert 90 Prozent der Permanentmagnete und 70 Prozent der seltenen Erden.
Genesis AI, ein Robotik-Foundation-Model-Startup mit Eric Schmidt als Investor, läuft viral mit einem neuen Modell. Trainiert auf 200.000 Stunden Daten zu Sprache, Vision, Tasten und Bewegung. Hinter den Demos steht eine chinesische Roboterhand mit 20 Freiheitsgraden. Andreas Moring fasst zusammen: Wer noch bestreitet, dass humanoide Roboter in Produktion, Logistik und Service arbeiten, ignoriert die Realität.
Xiaomi öffnet ein Entwicklungszentrum in München
Xiaomi präsentiert auf der Beijing Auto Show ein neues Entwicklungszentrum in München. Köpfe von BMW und Mercedes mit über 30 Jahren OEM-Erfahrung wechseln. 6 Prozent aller in der EU verkauften E-Autos waren in Q1 2026 chinesische Importe. Die EU-Exporte nach China brachen im gleichen Zeitraum um 43 Prozent ein.
Kim Isenberg, gerade aus China zurück, beschreibt Guangzhou: 100 Jahre in der Zukunft. AliPay, WeChat, durchgehende Digitalisierung, neue Straßen ohne Schlaglöcher. Auf der Peking Auto Show kein einziges deutsches Auto. Pero Mitic: Wer in China verkaufen will, muss in China entwickeln und bauen.
Die EU verwässert den AI Act
Brüssel verschiebt die Hochrisiko-Compliance vom August 2026 auf Dezember 2027. Der Maschinensektor wird ausgeklammert. AI Literacy wird zur Bemühungspflicht abgestuft. Treiber ist Kanzler Merz mit einem Industriebrief von ASML, SAP und Siemens. Parallel diskutiert die EU-Kommission ein VPN-Verbot, begründet mit Kinderschutz. Eine Community Note auf X zeigt, dass die zitierte Studie das Argument nicht trägt.
Pero Mitic: VPNs zum Problem zu machen, ist ein Kollateralschaden für die Freiheit. Andreas Moring ergänzt: Mehr Gesetze bedeuten nicht mehr Qualität. Die einzige Region, die KI über Compliance reguliert statt über Innovation, riskiert dauerhaft den Anschluss. Welche Konsequenzen das für deutsche Unternehmen hat, vertiefen wir in unserem Blog.
Fazit zum Anthropic Colossus Deal
Der Anthropic Colossus Deal ist mehr als eine GPU-Vermietung. Er zeigt die Marktstruktur: Wer kein Frontier-Lab und kein wirkliches Open-Source-Modell ist, landet zwischen den Stühlen. Apple hat das verstanden und kauft Gemini ein. SAP hat es nicht verstanden und baut Mauern. Mercedes zieht die Konsequenz. Wer 2026 noch über generische KI-Strategien diskutiert, hat den Anschluss schon verloren.
Häufige Fragen
Was bedeutet der Anthropic Colossus Deal für Claude-Nutzer?
Claude läuft jetzt auf 220.000 Nvidia-GPUs im Memphis-Rechenzentrum Colossus 1. Das 5-Tages-Limit im Pro- und Max-Plan verdoppelt sich ab sofort. Das Weekly-Limit bleibt jedoch unverändert. Wer schnell viele Anfragen feuert, stößt also weiter an die Wochenobergrenze. Anthropic arbeitet an weiteren Kapazitätserhöhungen. Der Compute-Bedarf des Unternehmens ist innerhalb eines Jahres um den Faktor 80 gestiegen.
Warum vermietet Elon Musk GPUs an seinen Konkurrenten Anthropic?
Grok findet im Markt zu wenig Anklang. Berichte zeigen eine Nutzung weit unter Durchschnitt. Elon Musk will die Rechenkapazität von Colossus 1 nicht ungenutzt stehen lassen, während xAI bereits auf Colossus 2 weitertrainiert. Anthropic nutzt etwa 300 Megawatt der 425-Megawatt-Kapazität. Der Deal sichert xAI dringend benötigte Umsätze und positioniert Musk langfristig als Infrastruktur-Anbieter im KI-Markt, ähnlich wie AWS für Cloud-Services.
Wer wird neuer Apple-CEO nach Tim Cook?
John Ternus, bisheriger Hardware-Chef, übernimmt am 1. September 2026 den CEO-Posten. Ternus war maßgeblich am Wechsel von Intel auf den Apple-Silicon-M-Chip beteiligt. Apple bekommt einen Ingenieurs-CEO nach Steve Jobs als kreativem Visionär und Tim Cook als Lieferketten-Stratege. Parallel kauft Apple sich KI-Kompetenz extern ein. Siri läuft künftig auf einem Custom-Gemini-Modell, gehostet auf Google Cloud.
Warum verlässt Mercedes 40 Prozent seiner SAP-Instanzen?
SAP hat eine neue API-Policy erlassen, die externe KI-Agenten wie Copilot, Open AI und Claude aussperrt. Nur SAPs eigene Joule und Nvidias Nemo dürfen die SAP-Schnittstellen nutzen. Mercedes will jedoch eigene KI-Agenten anbinden, um Workflows zu automatisieren, und reduziert deshalb die Abhängigkeit von SAP drastisch. Salesforce geht den umgekehrten Weg und öffnet seine APIs für alle Agenten. Das gilt als die zukunftsfähigere Strategie.
Plant die EU wirklich, VPNs zu verbieten?
Die EU-Kommission diskutiert Einschränkungen für VPN-Dienste, offiziell zum Kinderschutz und zur Durchsetzung der Altersverifikation. Eine Community Note auf X verweist auf das zitierte Paper. Dieses liefert keine empirische Grundlage für die These, dass Kinder VPNs gezielt zur Umgehung von Altersfiltern nutzen. Kritiker sehen einen Kollateralschaden für die Informationsfreiheit, da VPNs in autoritären Staaten der Hauptzugang zu freien Medien sind. Eine Entscheidung steht noch aus.
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